Neue Konzepte gegen den Ärztemangel

Lurup und Osdorf brauchen eine integrierte Gesundheitsversorgung

Lassen wir doch zunächst einmal die Zahlen sprechen. Ein Allgemeinarzt versorgt im Durchschnitt 2.293 Patienten. Auf eine Apotheke entfallen 7.339 Patienten und bei Kinder- oder Frauenärzten ist die Lage noch viel schlimmer: Ein Frauenarzt und zwei Kinderärzte stehen für die gesundheitliche Betreuung der gesamten Luruper Bevölkerung zur Verfügung. In Osdorf sehen die Zahlen auf den ersten Blick etwas besser aus, aber auch hier gibt es gravierende Mängel, die schnellsten behoben werden müssen.

 

Während Hamburg insgesamt, was die medizinische Versorgung angeht, im Bundesdurchschnitt als Spitzenreiter durchgeht, sind vor allem Stadtteile mit sozial schwächeren Bevölkerungsteilen regelrecht unterversorgt. Doch genau in diesen Stadtteilen erkranken die Menschen auch häufiger und schwerer. Denn Gesundheit ist eine soziale Frage. Zahlreiche Studien haben ergeben, dass arme Menschen im Durchschnitt zehn Jahre früher an Diabetes, Asthma oder Herz-Kreislauferkrankungen leiden. Und dafür sorgen nicht nur ein ungesunder Lebensstil oder schlechte Ernährung. Hauptgründe sind eine häufig fehlende Gesundheitsaufklärung sowie unzureichende Vorsorgemöglichkeiten.

 

Die Politik muss endlich handeln

Als interner Sprecher im Ausschuss für Soziales, Integration, Gleichstellung, Senioren, Flüchtlinge und Gesundheit der Bezirksversammlung Altona habe ich gemeinsam mit Dr. Hildebrandt ein Konzept zur integrierten Gesundheitsversorgung für Lurup/Osdorf erarbeitet. In Zusammenarbeit mit Entscheidungsträgern aus den Stadtteilen, Ärzten und Ärzt*innen sowie den Krankenkassen wollen wir das Konzept gemeinsam mit dem Bezirksamt umsetzen, so dass eine umfassende, für alle zugängliche und kostenlose medizinische Versorgung gewährleistet wird.

Wie das in Hamburg gelingen kann, das zeigen etwa die Projekte „Gesundheitskiosk“ in Billstedt/Horn oder die „Poliklinik“ auf der Veddel. Zwei unterschiedliche Projekte, die ein gemeinsames Ziel haben: den Menschen in ihrem Stadtteil eine bessere Gesundheitsversorgung zu bieten.

 

Gesundheitskiosk für Billstedt/Horn

 Gesundheitskiosk_03.jpg

Im Januar 2017 ist ein deutschlandweit einzigartiges Projekt an den Start gegangen. Auf Initiative von Ärzten, Krankenkassen und der Stadt Hamburg wurde in Billstedt/Horn der Gesundheitskiosk gegründet. An sechs Tagen in der Woche beraten dort qualifizierte Mitarbeiter kostenlos Patienten. Dabei werden Fragen zu Gesundheitsthemen beantwortet, Kurse und Vorträge angeboten, Hilfe vermittelt und eine Betreuung rund um den Arztbesuch angeboten, inklusive Vorbereitung von Praxisbesuchen, der Suche nach dem richtigen Arzt oder dem Erklären von Arztberichten. Und das alles in acht Sprachen. Mittlerweile ist ein zweiter Standort in Mümmelmannsberg dazugekommen.
Finanziert wird das Projekt aus dem Innovationsfond der Bundesregierung. Für drei Jahre wurden 6,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

   

Poliklinik auf der Veddel

Beinahe zeitgleich startete auf der Veddel ein ähnliches Projekt, allerdings unter anderen Voraussetzungen. Ein 20-köpfiges Team aus unterschiedlichsten Disziplinen entwickelte, u.a. aus der Hamburger Initiative Medibüro heraus, das Vorhaben der Poliklinik – ein Stadtteilgesundheitszentrum, das sich an dem Bedarf der Bevölkerung orientiert. Herausgekommen ist ein Konzept, das auf vier Säulen beruht: eine medizinische Versorgung durch Allgemeinärzte, eine Sozial- und Gesundheitsberatung, die Realisierung von Präventionsprojekten sowie eine psychologische Beratung durch einen Diplom-Psychologen. Auch hier wird der multiethnischen Zusammensetzung der Bevölkerung Rechnung getragen in dem die Beratungen in verschiedenen Sprachen angeboten werden.  Finanziert wird die Poliklinik durch Fördermitglieder, einen Kredit, städtische Mittel und Spenden.


Titelfoto: BARMER