Neuer Bebauungsplan: Die Verhandlungen im Holstenquartier laufen auf Hochtouren

Die Holstenbrauerei zieht nach Hausbruch um, das steht fest. Was genau mit dem frei werdenden Gelände passiert, das klärt sich jetzt in den kommenden Wochen. Zurzeit verhandelt der Investor SSN Group (übernommen von der Berliner Consus Real Estate AG) mit der Stadt, die Verträge sollen im August unterschrieben werden.

Doch was ist geplant? Auf dem bisher als Industriegebiet ausgewiesenen 86.000 Quadratmeter großen Gelände wollen sowohl die Stadt, als auch der Investor in erster Linie 1.400 Wohnungen bauen. Ein Drittel der Mietwohnungen sollen öffentlich gefördert werden. Aber auch kleinteiliger Einzelhandel, Gastronomie und ein Hotel sollen dort einen Platz finden. Etwa 10 Prozent der Fläche sollen für den Gemeinbedarf, sowie als öffentliche Parkanlage festgelegt werden. Dafür muss zunächst der Bebauungsplan für das Gelände geändert werden.

 

 

Wie eng wird gebaut werden?

Mitte Mai stellte die SSN Group jetzt die Eckpunkte ihres städtebaulichen Vertrages der Bezirksversammlung vor. Von dem ursprünglich in einem Letter of Intend (LOI, einer unverbindlichen Vereinbarung von 2016) zwischen der Brauerei und der Stadt vereinbarten Bauvolumen von 160.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche ist keine Rede mehr. Längst sind die Planungen bei 180.000 Quadratmeter angelangt. Und der Investor will eigentlich noch mehr.

Das Problem dabei: die Bebauungsdichte steigt und lässt schließlich auf dem Areal nur noch wenig Raum zwischen den Gebäuden. Eine Beispielrechnung zeigt: würden alle Gebäude Viergeschossig gebaut werden, wäre die Hälfte des gesamten Geländes vollständig von Gebäuden besetzt – ohne Freiräume, Wege oder Plätze.

Bereits im LOI wurde eine Parkanlage im Umfeld der Theodor-Haubach-Schule vereinbart. Diese, sowie die Einrichtung von 300 Kitaplätzen (ebenfalls im LOI bereits vereinbart), werden jetzt als Zugeständnisse in den Verhandlungen mit dem Bezirk gewertet. Dabei handelt es sich hier um Punkte, die 2016, lange bevor der Investor SSN Group das Gelände gekauft hat, festgelegt wurden.

Meiner Ansicht nach ist das Augenwischerei und ein Versuch der SSN Group die eigenen Interessen (mehr Wohnungen für mehr Profit) durchzudrücken.

 

Politik darf die Kontrolle nicht verlieren

Wenn im August die Verträge unterschrieben werden, will ich als (zukünftiger) Abgeordneter der Bezirksversammlung die Verhandlungen beobachten und dazu beitragen, dass ein für die Altonaer Bürger*innen optimales Ergebnis erzielt wird.

Ich möchte die Entwicklung des Holstenquartiers aktiv begleiten und beobachten. Mir ist es wichtig, dass die im LOI festgelegten 160.000 Bruttogeschossfläche wieder auf den Verhandlungstisch kommen – damit eine gute Lebensqualität gewährleistet, genug Platz für Grünflächen, Parks, Wege und ein Community-Center bleibt. Sollten die 180.000 jedoch schon zugesagt sein, müssen wir auf jeden Fall verhindern, dass es diese Zahl nachträglich noch erhöht wird. Wichtig ist es auch zu verhindern, dass sich immer mehr Profiteure an solche Projekte ranhängen!“

Zukünftig sollte bei solchen Großprojekten ein Bebauungsplan beschlossen werden, bevor Grundstücke an Investoren verkauft werden. So kann gewährleistet werden, dass die Politik gestaltet und nicht Investoreninteressen vor Bürgerinteressen stehen.

 

 

Quellen:

Letter of Intend

Bebauungsplanentwurf

Abendblatt-Artikel:

Der Immobilien-Mogul und seine Pläne für Hamburg

Investor stellt Konzept für das Holsten-Areal vor

Der Mann, der das Holsten-Gelände bebaut

Holsten-Areal in Altona schon zum dritten Mal verkauft