Stoppt den Verpackungswahnsinn

Wir Deutschen feiern uns gerne als Recyclingweltmeister. Dabei belegen wir tatsächlich einen ganz anderen weniger glorreichen Spitzenplatz: wir produzieren europaweit den meisten Verpackungsmüll. Über 220 Kilogramm Verpackungsmüll pro Kopf waren das etwa in 2016. Gemüse und Obst in Plastik, Süßigkeiten mehrfach in Folie verpackt und Getränke in Einweg-Plastikflaschen – was am Ende des Tages vom Einkauf übrig bleibt ist ein riesiger Berg Plastik. Und davon werden real gerade mal 36 Prozent wirklich recycelt. Der Rest wird als „Rohstoff“ in die Dritte Welt verschifft oder landet in der sogenannten energetischen Verwertung. Und hinter diesem gut klingenden Begriff verbirgt sich nichts anderes als die Verbrennungsanlage. Zumindest kann hier noch Energie in Form von Wärme gewonnen werden. Aber wirklich nachhaltig ist das auch nicht.

Plastikmüll in der Natur
Wer kennt das nicht, auf einem schönen Sonntagsspaziergang wird der Anblick der erwachenden Natur gerade jetzt im Frühling durch achtlos weggeworfene Getränkeflaschen oder-dosen, Plastiktüten oder Einweg-Kaffeebecher gestört. Und auch Zigarettenkippen landen immer noch in der Natur. Dabei hat Plastik eine unheimlich lange Halbwertzeit. Bis eine Plastikflasche in ihre Bestandteile zerfallen ist, kann es bis zu 500 Jahre dauern. Und bis dahin hat sie Schadstoffe freigesetzt und das entstandene Mikroplastik wird durch den Regen in die Flüsse und später ins Meer geschwemmt. Dort stellt es für Fische und andere marine Lebewesen eine akute Gesundheitsgefährdung dar.

Maßnahmen der Politik
Durch eine zunehmende Sensibilisierung für dieses Thema hat sich in den vergangenen Monaten zum Glück einiges getan. Seit Januar 2019 gilt das neue Verpackungsgesetz, welches höhere Recyclingquoten zum Ziel hat. Außerdem müssen Supermärkte Einwegflaschen als solche durch gut sichtbare Hinweisschilder am Regal kenntlich machen.
Ganz aktuell hat jetzt auch das EU-Parlament gehandelt: Ab 2021 sollen EU-weit Einwegprodukte aus Kunststoff, für die es umweltverträglichere Alternativen gibt, verboten werden. Dazu zählen Strohhalme, Plastikgeschirr und -besteck, Luftballons und auch Wattestäbchen.

Einkaufen mit gutem Gewissen
Aber vor allem der Handel reagiert zunehmend auf die Wünsche der Kunden. Die nämlich wollen keine Plastikflut mit ihrem Wochenendeinkauf produzieren. Wiederverwendbare Beutel in der Obst- und Gemüseabteilung, per Laser gebrandete Avocados oder Süßkartoffeln und eine steigende Zahl von sogenannten Unverpacktläden sind erste gute Anzeichen, dass sich etwas tut.

Ein weiteres Problem stellt der rasant zunehmende Onlinehandel dar. Nicht nur die teilweise prekären Arbeitsbedingungen der Paketzusteller, sondern auch die Masse an Verpackungsmaterial macht das Bestellen im Internet zu einem fragwürdigen Trend. Denn die Logistikbranche wählt die Verpackungen sehr standardisiert in groben Rastern, so dass schon mal ein Karton das Vielfache der Ware selbst an Volumen hat. Das wirkt sich direkt auf die Emissionen durch den Transport aus.
Und, was mir bei meiner Aufräumaktion im Rahmen der Aktion „Hamburg räumt auf“ besonders aufgefallen ist: die ausgespuckten Kaugummis und Zigarettenkippen in der Natur. Sie sind eine Gefahr für Vögel und andere Tiere, die dort nach Nahrung suchen. Denn sie verwechseln die bunten Teilchen mit Nahrung und können elendig daran ersticken.
Wir alle haben die Verantwortung für unsere Umwelt – handeln wir entsprechend.